Wir haben uns mit der amtierenden Titelverteidigerin des Tübinger Erbe-Laufs unterhalten. Hanna Klein bereitet sich aktuell auf die Olympischen Spiele in Tokio vor und hat uns Einblicke in die Vorbereitung, sowie ihre Ziele für Tokio gegeben.

 

Sie befinden sich aktuell zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in St. Moritz. Wie sieht dort Ihr Alltag aus?

Ich trainiere meistens zwei mal am Tag. Dazwischen versucht man sich einfach so gut wie möglich zu regenerieren. Wenn ich mal einen Nachmittag frei habe, was vielleicht zwei bis drei mal die Woche vorkommt, machen wir in St. Moritz auch mal ein paar Ausflüge oder fahren nach Livigno um einen Kaffee zu trinken, der ein bisschen billiger ist. Einfach ein bisschen Ablenkung vom Training.

 

Warum ist die Wahl auf St. Moritz gefallen?

St. Moritz ist auf 1800m Höhe. Das nutzen wir um eine höhere Anregung der Produktion von roten Blutkörperchen zu bekommen. Außerdem sind im Sommer die Temperaturen hier sehr angenehm. Man kann den heißen Sommertemperaturen auf Normalnull ein bisschen entfliehen. Es sind auch nur viereinhalb Stunden fahrt, was sehr angenehm ist.

 

Wie sehen aktuell Ihre Trainingsumfänge im Trainingslager aus?

120-125km mache ich ungefähr. Wenn ich  einen Wettkampf vorbereite wird der Umfang natürlich ein bisschen geringer.

 

Ihr Jahr ist von Erfolgen geprägt. War es geplant die Olympiaqualifikation für 1500m und 5000m zu holen?

Wir haben es auf jeden fall versucht. Es hat sich angedeutet, dass ich auch auf 5000m in den Bereich reinlaufen kann. In Amerika habe ich dann ein ziemlich gutes Rennen bekommen und habe mich sehr gefreut und war überrascht, dass ich da die Quali auf 5000m geschafft habe. Später kam dann auch die Quali über 1500m.

 

Auf welcher Strecke wird der Fokus für die Spiele liegen?

Nominiert wurde ich für beide Strecken. Ich habe mich aber relativ früh entschieden, nur die 1500m zu laufen.  Der Fokus liegt jetzt also auf den 1500m.

 

Wenden Sie im Hinblick auf die Spiele bestimmte Trainingsmethoden an?

Ein Grund warum ich die 1500m in Tokio auswähle ist, dass die Hitzeanpassung  über die Mittelstrecken nicht so sehr relevant ist. Bei 1500m ist man ja nur um die vier Minuten der Hitze ausgesetzt. Über 5000m ist das schon deutlich länger. Ich werde auf jeden fall eine Kühlweste mitnehmen und mich versuchen, dort den heißen Temperaturen nicht zu sehr auszusetzen. Eine spezielle Hitzeanpassung zur Vorbereitung werde ich aber nicht machen.

 

Wie ist es für Sie, nun auf ein festes Ziel hinarbeiten zu können, was im letzten Jahr durch viele Wettkampfabsagen nicht möglich war?

Es ist zwiegespalten würde ich sagen. Es ist ein großes Ziel, was man in der letzten Saison nicht hatte. Allerdings ist es eine ganz andere Art von Olympischen Spielen, als wir sie eigentlich kennen. Beispielsweise steht in dem „Playbook“ für die Spielen in Tokio, dass die Zuschauer ihre Stimme nicht benutzen dürfen, sondern nur klatschen. Es ist aber trotzdem super so einen Höhepunkt zu haben und die Olympischen Spiele sind einfach ein Highlight.

 

Haben Sie schon ein Ziel für die Spiele formuliert?

48 Stunden nach dem Ausscheiden muss man nach Hause fliegen. Ich möchte einfach so lange in Tokio bleiben wie ich kann [lacht]. Ich will schauen, dass ich mich taktisch sehr gut anstelle und ich glaube dann ist alles möglich. Das Finale wäre schon ein sehr großer Erfolg für mich.

 

Wann geht es für Sie ins Flugzeug nach Tokio?

Ende Juli. Ich reise sehr kurzfristig an. Der erste Wettkampftag ist am zweiten August.

 

Vielen Dank für Ihre Zeit.  Wir, das Tübinger Erbe-Lauf-Team, wünscht Ihnen eine gute restliche Vorbereitung und viel Erfolg bei den Olympischen Spielen.